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Das Schulprofil der Michaelschule Riegel

Projektorientierter Unterricht

Definitionen, Phasen und Kriterien

Projektorientiertes Arbeiten kann eine für den gemeinsamen Unterricht geeignete Unterrichtsform sein. Zunächst sollen die folgenden Beschreibungen eine Bandbreite dessen aufzeigen, was "Projekt" ausmacht bzw. ausmachen kann, um dann Gemeinsamkeiten herauszufiltern, die es auch der Einsteigerin oder dem Einsteiger erleichtern, einen übersichtlichen Zugang zum "Projektunterricht" zu bekommen.
"Ein Projekt"

stellt den gemeinsamen von Lehrern, Schülern, hinzugezogenen Eltern, Experten usw. unternommenen Versuch dar, Leben, Lernen und Arbeiten derart zu verbinden, dass ein gesellschaftlich relevantes, zugleich der individuellen Bedürfnis- und Interessenlage der Lehrer und Schüler entsprechendes Thema oder Problem innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers aufgearbeitet werden kann. Der Arbeits- und Lernprozess, der durch die Projektidee ausgelöst und organisiert wird, ist dabei ebenso wichtig wie das Handlungsergebnis oder Produkt, das am Ende des Projektes stehen soll.

(MEYER 1987, 143-144)
"Projektmethode"

wird als ein Stufenschema von Zielsetzung, Planung, Ausführung, Auswertung beschrieben, dass als Lernort das soziale Umfeld anstrebt, also über den schulischen Rahmen hinausgeht, und versucht Einstellungsänderungen sowohl bei den Lernenden als auch in der Öffentlichkeit zu erzielen. (vgl. MEYER 1986, 339.)

"Projekt"
lässt sich durch einen Merkmalskatalog von 10 Punkten beschreiben:

  Situationsbezug und Lebensweltorientierung 
  Orientierung an den Interessen der Beteiligten 
  Selbstorganisation und Selbstverantwortung 
  gesellschaftliche Praxisrelevanz 
  Zielgerichtete Projektplanung 
  Produktorientierung 
  Einbeziehen vieler Sinne - Soziales Lernen 
  Interdisziplinarität 
  Grenzen (GUDJONS 1986, 58ff). 


Als Komponenten für einen idealisierten Projektverlauf nennt Frey:

  Auseinandersetzung mit der Projektinitiative (Projektskizze) 
  Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes (Projektplan) 
  Projektdurchführung 
  Beendigung des Projekts (FREY 1990, 58ff). 


Projektunterricht

ist eine schulische Arbeitsform, die von einer gemeinsamen Arbeitsaufgabe für eine Gruppe ausgeht, und auf ein vorweisbares bzw. vorführbares Ergebnis als Werk gerichtet ist. Die Aufgabenstellung orientiert sich dabei an den Möglichkeiten und - zum Teil erst durch das Projekt geweckten - Interessen der Schülerinnen und Schüler, von denen jeder einen Arbeitsteil, der zur Vollendung des Werkes oder zur Lösung des Problems notwendig ist, übernimmt und ausführt.
(vgl. STRUCK 1980, 21).
HÄNSEL listet Aufgaben auf, die von Lehrern bewältigt werden müssen, um Projektunterricht durchführen zu können:

Inhaltsbezogene Aufgaben:

  Eine wirkliche Sachlage auswählen, die für die Schülerinnen und Schüler ein echtes Problem darstellt. 
  einen gemeinsamen Plan zur Problemlösung entwickeln, 
  eine handlungsbezogene Auseinandersetzung mit dem Problem herstellen, 
  die gefundene Problemlösung an der Wirklichkeit überprüfen. 


Methodenbezogene Aufgaben:

  Die Voraussetzungen des Experimentes klären. 
  Das Ziel des Experimentes bestimmen 
  Versuchsbedingungen herstellen 
  Das Ergebnis des Experiments überprüfen (HÄNSEL 1991, 39). 


Projektstruktur

Projektidee

eine Projektidee "entsteht" 


Auseinandersetzung mit der Projektidee

  die Projektidee diskutieren 
  eigene Ideen und Wünsche einbringen 
  soziale Regeln und Regeln der Diskussion beachten 
  eine Ideensammlung erstellen 
  eine Projektskizze erstellen 


Gemeinsame Absprachen über die Vorgehensweise

  die Ideensammlung/Projektskizze auf Durchführbarkeit überprüfen 
  Meinung äußern 
  Absprachen über die Aufgabenverteilung treffen 
  einen Projektplan erstellen 


Durchführung des Projektes

  Organisationsformen und Methoden festlegen 
  den Weg zum Ziel planen 
  Arbeitszeiten und Arbeitsorte planen 


Projektpräsentation

  die Projektpräsentation planen 
  die Projektpräsentation durchführen 


Projektorientierter Unterricht im Gemeinsamen Unterricht

Im Gemeinsamen Unterricht stehen Lehrerinnen und Lehrer vor der Aufgabe, einen Widerspruch aufzuheben:

Zum einen soll der Unterricht auf alle Schülerinnen und Schüler der Klasse ausgerichtet sein, zum anderen sollen Schülerinnen und Schüler unter Berücksichtigung ihrer individuellen Lern- und Leistungsvoraussetzungen gefördert werden und dies bei einer vergrößerten Bandbreite im Vergleich zu Regelklassen.

Eine Lösungsmöglichkeit scheint eine am Projekt orientierte Unterrichtsform zu sein. Das Projektthema stellt eine gemeinsame Aufgabe für alle beteiligten Schülerinnen und Schüler dar. Jede Schülerin und jeder Schüler kann sich entsprechend ihrer oder seiner individuellen Fähigkeiten auf unterschiedlichen Niveaustufen zum Thema einbringen bzw. einbezogen werden.

Damit lassen sich, unter Berücksichtigung der o.g. Projektphasen und -kriterien, als wichtigste Kennzeichen für projektorientierten Unterricht im Gemeinsamen Unterricht nennen:

  Gemeinsame Aufgabe für alle Beteiligten (Hauptproblem, Rahmenthema, Projektidee). 
  Situationsbezug, Interessensbezug zu den Beteiligten. 
  Gemeinsame Planung und Durchführung der Aufgaben gemessen an den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler. (Individualisierung, Handlungsorientierung) 
  Fächerübergreifend oder sogar über den schulischen Rahmen hinausgehend. 
  Produktorientierung 
  Gesellschaftliche Relevanz 


Eine umfassendere Sichtweise dieses Aspektes des Gemeinsamen Unterrichts findet sich in Feusers 'didaktischer Struktur integrativer Pädagogik' (vgl. FEUSER 1989, 31 und DEMMER-DIECKMANN 1991, 22-34), die er an einem Baum-Bild veranschaulicht: Der Stamm veranschaulicht die gemeinsame Thematik, an der alle Schülerinnen und Schüler arbeiten. Die Fach/Humanwissenschaften bilden die Wurzeln, während Äste und jeweils deren Zweige die einzelnen Lernbereiche mit ihren konkreten Lernzielen für die Schülerinnen und Schüler darstellen. Lernziele können auf unterschiedlichen Entwicklungsniveaus angestrebt werden: sinnlich konkret (am Astansatz) wie auch in abstrakt-logisch symbolischer Weise durch Sprache, Schrift, Formeln (an der Astspitze).

Formen des Projektunterrichtes

Element   ideal   1. Reduktion   2. Reduktion   n-te Reduktion  
  Projektunterricht   projektorientierter Unterricht   fachbezogenes Unterrichtsprojekt    
Thema   S. bestimmen Thema u. Inhalte   S. und L. legen gemeinsam Thema fest   S. wählen aus Themenvorschlägen   L. legt Thema fest  
Material   S. beschaffen Material   S. und L. beschaffen Material   S. wählen aus vorgegebenem Material   Material ist vorbereitet  
Ziele   S. formulieren Ziele   S. und L. formulieren Ziele gemeinsam   S. wählen aus einem Zielkatalog   L. setzt Ziele  
Methode   freie Wahl des Lernweges   Auswahl aus einem Angebot   Lernwegeempfehlung   L. schreibt Lernweg vor  
Gruppe   freie Gruppenwahl   homogene Gruppen werden gebildet   Lehrer stellt Gruppe zusammen   Klasse  
Fächer   ohne Fächerbin- dung   zwei Fächer / evtl. zwei Lehrer   ein Fach / Ausblicke   ein Fach ein Lehrer  
Beurteilung   Selbstkritik des Verlaufs u. d. Ergebnisses   S. und L. kritisieren gemeinsam   Bewertung durch den Lehrer wird diskutiert   Benotung  
"Produkt"   Modell   Ausstellung   Protokoll   Blätter im Heft  
Schüler   selbstbestimmend, aktiv planend   mitbestimmend / teilw. selbstständig / aktiv   mitbestimmend / aktive u. passive Arbeitsphasen   Rezipienten  
Lehrer   Moderator, Berater auf Wunsch, Aufsicht   zurückhaltend / koordinierend   strukturierend / verbindliche Empfehlung   L. steuert in allen Bereichen  


(vgl. LUDWIG, Projektorientierter Unterricht in der Schule 34 (1996), S. 5ff)

Folgende Präsentationsmethoden sind für jedes Schuljahr an der Michaelschule verbindlich:

1.Schuljahr Buchstabenheft

2.Schuljahr Gedichtheft
3.Schuljahr Wandzeitung
4.Schuljahr Buch mit Referaten
5.Schuljahr Projekt in einem Ordner für jeden Schüler
6.Schuljahr Plakatgestaltung/Wandzeitung
7.Schuljahr Bucherarbeitung (freie Referate) Mindmapmethode
8.Schuljahr Powerpointpräsentationen
9.Schuljahr Projektprüfung

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